Problemstellung
Kinder körperlich kranker Eltern sind eine identifizierte Risikogruppe für psychische Störungen. Elterliche Krebserkrankungen stellen hierbei die epidemiologisch mit großem Abstand bedeutsamste Krankheitsgruppe dar. Eine systematische Einbeziehung minderjähriger Kinder in psychosoziale Versorgungskonzepte für erwachsene Krebspatienten fehlt bislang. Zwar sind in den letzten Jahren an mehreren Orten in Deutschland Initiativen entstanden mit dem Ziel, gezielte psychosoziale Hilfen für Kinder krebskranker Eltern anzubieten, die bestehenden Angebote sind aber bislang noch nicht systematisch qualitätsgesichert und evaluiert. Zudem fehlen empirisch untermauerte Kriterien für die Indikationsstellung für präventive Interventionen, was unter versorgungsökonomischen Gesichtspunkten bedeutsam ist, da eine flächendeckende Versorgung aller minderjähriger Kinder von Krebspatienten weder sinnvoll noch realistisch ist.
Ziele und Arbeitsvorhaben
Aufbauend auf umfangreichen Vorarbeiten im Rahmen des multizentrischen EU-Projektes „Children of Somatically Ill Parents“ (COSIP, 2002-2005), welches vom Hauptantragsteller initiiert und koordiniert wurde, sollen an fünf Standorten in Deutschland, an denen insgesamt acht Partnerinstitutionen kooperieren, empirisch fundierte Kriterien für die Indikationsstellung für präventive psychosoziale Interventionen für diese Population ermittelt werden. Ferner soll die von großer Heterogenität geprägte aktuelle Versorgungslage in Deutschland in diesem Bereich im Hinblick auf künftige Bedarfsplanungen analysiert werden. Zudem soll an allen fünf Standorten ein bereits bestehendes klinisch erprobtes und qualitätsgesichertes sowie in Form eines Praxishandbuches publiziertes Beratungskonzept für Familien mit einem körperlich ernsthaft erkrankten Elternteil (Hamburger COSIP-Beratungskonzept) in verschiedenen spezifischen Kontexten der psychosozialen Versorgung von Krebspatienten implementiert und formativ sowie summativ evaluiert werden. Im multizentrischen Konsens wird dann aus diesem bestehenden Praxishandbuch ein gemeinsam autorisiertes standardisiertes Interventionsmanual für eine komplexe psychosoziale Intervention weiter entwickelt, welches in künftigen randomisierten kontrollierten Interventionsstudien Verwendung finden soll. Zur Vorbereitung solcher multizentrischer Interventionsstudien wird an einem Partnerzentrum (HH-KJP), an dem das Interventionskonzept bereits implementiert ist, eine kontrollierte Interventionsstudie modellhaft durchgeführt werden. Für das zu entwickelnde Manual sollen u.a. für eine Reihe von in der Praxis anzutreffenden Situationen bzw. Konstellationen spezifische Module erarbeitet werden. Hierzu wird sich jeder Standort mit einem inhaltlichen Schwerpunkt befassen und eines der kontextspezifischen Interventionsmodule federführend entwickeln. Alle Partnerzentren werden mit ihren inhaltlichen Schwerpunkten eng vernetzt kooperieren, mit dem Ziel, modellhaft gemeinsame Implementierungsstrategien für eine breiter angelegte Versorgungsstrategie in diesem innovativen Feld zu entwickeln. Die methodische Qualität des Gesamtverbundes wird durch ein Methodenzentrum, das die Teilvorhaben methodisch begleiten und koordinative Aufgaben übernehmen wird, gesichert. Darüber hinaus wird hier die generische Evaluation der in allen Partnerzentren durchgeführten Interventionen stattfinden.
Am Ende einer zunächst auf drei Jahre angelegten Projektphase sollen der Fachöffentlichkeit vorläufige Praxisleitlinien für eine qualitätsgesicherte psychosoziale Versorgung von Kindern krebskranker Eltern zur Verfügung gestellt werden.
Im Rahmen des Verbundprojekts werden an den Standorten Berlin, Hamburg, Heidelberg, Leipzig und Magdeburg einzelne Teilprojekte mit spezifischen Fragestellungen bearbeitet. Die einzelnen Teilprojekte haben jeweils eine eigene Projektdarstellung, die über die linke Menüleiste erreicht werden kann.